Ihr zweijähriger Schatz sitzt Seite an Seite mit seinem Spielkameraden im Sandkasten und hat Riesenspaß dabei, einen Eimer mit Sand zu füllen und wieder auszuleeren. Seine Freunde tun dasselbe – alle spielen nebeneinander. Ihr Kind nähert sich seinem 3. Geburtstag und wird dann beginnen, sich auf sinnvolle Weise mit seinen Kameraden zu beschäftigen. Doch das vorherige, alleinige Nebeneinanderspielen ist der Beginn des Erlernens des Sozialverhaltens.
Ihr Kind ist nun gerne in Bewegung und seine grobmotorischen Fähigkeiten entwickeln sich rasant. Einem Ball hinterherzujagen, eine Schubkarre anzuschieben oder ein Klettergerüst zu erklimmen – all dies vermittelt Ihrem Kind ein Gefühl für seinen Körper und für das, was es in der Lage ist zu tun. Indem er versucht, eine Schubkarre voller Bauklötzchen anzuschieben, lernt Ihr Knirps einzuschätzen, wie viel Kraft seine Muskeln aufwenden müssen, um dies zu bewerkstelligen. Gleichzeitig entwickelt er seine feinmotorischen Fähigkeiten. Das Ergreifen von Pinsel und Wachsmalstiften und die dazugehörige Armbewegung bilden den ersten Schritt in Richtung Schreiben. Die Kombination aus stärkerer Körperwahrnehmung und verbesserter Motorik kann Ihrem Schatz aber auch dabei helfen, dieses Jahr mit dem Töpfchengang zu beginnen.
Für ein zweijähriges Kind ist Routine sehr wichtig und Wiederholungen bilden Teil des Lernprozesses. Üben Sie sich in Geduld – Ihr Kind wird die einfachsten Dinge immer und immer wieder gerne tun. Die Reihenfolge ist dabei ebenfalls wichtig. Zu Ihrer großen Freude wird Ihr Kind Sie beim Saubermachen freudig nachahmen – also ziehen Sie einen Nutzen daraus und machen Sie das Aufräumen der Wohnung zu einem Kinderspiel!
Sie werden feststellen, dass die Persönlichkeit Ihres Kindes in diesem Jahr eine Form annimmt. Plötzlich entwickelt es einen Sinn für Humor und lacht sich schlapp, wenn es gewöhnliche Alltagsgegenstände auf neue, alberne Art verwenden kann. Es ist sich den Menschen um sich herum auch bewusster und ahmt nach, was es bei anderen hört und sieht.
P.S.: Sie haben vielleicht den Eindruck, dass Ihr Kind nicht auf Sie hört. Sehen Sie aber nur einmal zu, wie Ihr Kind mit seinen Spielzeugen interagiert. Sie hören ihn ein vertrautes “Keine Kekse mehr” plappern oder mit einem Kuscheltier schimpfen. Nun ist es Zeit, Ihre eigenen Worte mit Bedacht zu wählen.
Um den zweiten Geburtstag herum wird Ihr Kind beginnen, in Sätzen von zwei oder drei Wörtern zu sprechen. Im Laufe des Jahres erweitert es seinen Wortschatz auf Sätze, die aus 5 oder 6 Wörtern bestehen. “Ich” und “mein” sind natürlich die Lieblingswörter! Sobald es auf den 3. Geburtstag zusteuert, müssen Sie der Oma nicht mehr jeden Satz übersetzen und sogar Fremde werden zunehmend verstehen, was Ihr Kind sagt.
P.S.: Endlich beginnt, seine ausdrucksvolle Sprache es mit seinem Verständnis aufzunehmen. Es ist zwar verlockend, doch versuchen Sie, seine Grammatik nicht zu korrigieren. Falls Ihr Kind “laufte” sagt, bedeutet es sogar einen Fortschritt. Es hat das Wort verstanden – die verschiedenen Formen lernt es später.
Ihr Kind kann seine Hände und Finger nun immer besser kontrollieren. Durch “Matschspiele”, die die Fingermuskulatur stärken, werden solche feinmotorischen Fähigkeiten noch gefördert. Indem es einen sichereren Griff beweist, werden Aktivitäten wie Bälle werfen, Malen und das Bauen eines Bauklötzchen-Turms zu einem reinen Vergnügen, das Ihr Kind nur zu allzu gerne zeigen wird. Im Alter von 3 Jahren kann es vielleicht schon einen Reißverschluss öffnen, seine Schuhe ausziehen und versucht bereits, sein T-Shirt anzuziehen. Toll, wenn ein Kind lernt, sich selbst anzuziehen!
P.S.: Am Anfang dieser Entwicklungsphase wird das Anziehen eine wahre Herausforderung darstellen. Ihr Kind möchte es ganz alleine schaffen, scheitert aber oft an der Koordination. Sofern es Ihr Tagesablauf ermöglicht, bieten Sie ihm jede Menge Möglichkeiten, dies zu versuchen und geben Sie ihm leicht anzuziehende Pullis und leicht zu schließende Schuhe (evtl. mit Klettverschluss) in die Hand, damit es erste Erfolge erzielen kann. Achten Sie dabei auf pieksende Etiketten oder einen zwickenden Hosenbund und sorgen Sie ggf. für Abhilfe.
Durch Klettern, Springen und Tanzen kann Ihr Schatz ein Körpergefühl entwickeln und seine Muskeln kräftigen. Egal, ob er auf dem Spielplatz umherrennt oder auf das Soft klettert – er tut dies einfach aus Spaß und nicht, um irgendwo hinzugelangen. Ihn davon abzuhalten, kann zu Frustration und Auseinandersetzungen führen. Dennoch kann er mögliche Gefahren noch nicht einschätzen, da diese Einschätzung noch nicht so weit entwickelt ist wie die körperlichen Fähigkeiten – also behalten Sie ihn jederzeit im Auge und achten Sie auf mögliche Gefahrenquellen.
P.S.: In diesem Alter gibt die Natur Ihrem Kind vor, “sich zu bewegen” und nicht “stillzusitzen.” Auf den Spielplatz zu gehen oder ausgelassen im Garten zu spielen, sind nicht einfach nur beliebige oder leichtfertig dahingesagte Möglichkeiten, den Tag zu verbringen. Sie sind in der Tat sehr wichtig für die Grobmotorik. Kinder diesen Alters interessieren sich außerdem brennend für neue Dinge, also wenn sich in Ihrer Nähe mehrere Spielplätze befinden oder befreundete Eltern andere Gartenspielzeuge besitzen, versuchen Sie, die Spielorte so oft wie möglich zu wechseln.
Ihr zweijähriger Knirps möchte die “großen Leute“ imitieren, insbesondere die Erwachsenen. Er verwandelt einen Bauklotz in ein Telefon und bringt sein Kuscheltier abends ins Bett. Er wird sich gerne verkleiden und viele verschiedene Rollenspiele ausprobieren. Mit Zubehör wie Mützen und Taschen kann er spielend leicht zu jemand anderem werden. Auch mit Autos und Puppenhäuser kann Ihr Kind eine völlig neue Welt erschaffen.
P.S.: Spielen Sie mit! Sie werden viel Spaß dabei haben. Lassen Sie Ihr Kind bestimmen, wer Sie sein sollen. Ob ein Kunde im Friseursalon oder der Kapitän eines Piratenschiffs – lassen Sie sich einfach auf den Spaß ein. Dies regt die Fantasie Ihres Kindes an und fördert seine Selbständigkeit. Im Alter von ungefähr 3 Jahren werden derlei Fantasiespiele noch ausgefeilter und dauern so lange, wie es seine Aufmerksamkeit erlaubt (dies kann länger sein, als Sie vermuten).
Vorauszuahnen, was als Nächstes kommt, ist der erste Schritt in Richtung Zeitwahrnehmung und das Erahnen der Reihenfolge. Für ein zweijähriges Kind ist daher eine Routine sehr wichtig. Wenn es daran gewöhnt ist, zuerst die Hose anzuziehen und dann das T-Shirt, versuchen Sie nicht, diese Reihenfolge zu ändern – außer, Sie wollen einen Wutanfall in Kauf nehmen. Es geht ihm einzig und allein darum, über diese riesengroße Welt, in der es ein so kleiner Teil ist, ein bisschen Kontrolle zu haben.
P.S.: Wenn Sie das routinierte Muster doch einmal verlassen müssen, bereiten Sie sich darauf vor, dass Ihr Kind darauf emotional reagiert, und schimpfen Sie nicht. Natürlich kann eine vorherige Ankündigung und Erklärung die Situation etwas entschärfen. Wenn Ihr Kind glaubt, dass es mit Ihnen in den Park darf und dann herausfindet, dass Sie überrascht zur Arbeit müssen, sind Gespräche und Erklärungen notwendig. Je mehr sie mit Ihrem Kind sprechen, desto mehr wird es diese Veränderung akzeptieren. Indem Sie Ihr Kind informieren, zeigen Sie ihm, dass Sie es und seine Gefühle respektieren. Sind Sie selbst eher ein Freigeist und spontan? Keine Sorge. Ein bisschen Routine in der jetzigen Zeit kann Ihrem Kind helfen, in seinem späteren Leben flexibler zu sein.
Legen Sie einen Wachsmalstift in die kleine Hand und sehen Sie einfach nur zu! Fingerfarben bieten Zweijährigen ebenfalls eine tolle Möglichkeit, die Welt der Farben zu entdecken. Diese ersten Kunstwerke können die Grundlage für die ersten Geschichten bilden, wenn Ihr Kind Ihnen freudig erzählt, was es da gerade gemalt hat. Bewahren Sie diese Malversuche auf, damit Ihr Kind sie in späteren Jahren bestaunen kann. Vergessen Sie daher nicht, den Namen und das Datum auf die Rückseite zu schreiben.
P.S.: Lassen Sie die ersten kreativen Erfahrungen zu einer Erfahrung der Sinne werden, und stimulieren Sie (nacheinander) so viel der Gehirnaktivität wie möglich. Wie sich der Wachsmalstift in der Hand anfühlt, ist genauso wichtig wie die Formen und Farben, die Ihr Kind malt. Nach dem Malen gemeinsam über das Bild zu sprechen, fördert Sprache und Erinnerungsvermögen und fügt Emotionen hinzu. Neurowissenschaftliche Studien zeigen, dass sich das Gehirn am besten entwickelt, wenn verschiedene Bahnen gleichzeitig aktiv sind.
Sie werden bald feststellen, dass die 2 eine der Lieblingszahlen Ihres Kindes ist – und das aus gutem Grund! Jetzt keimt sein Verständnis für Zahlen auf. Bauklötzchen, Püppchen, Spielzeugautos oder Blätter paarweise zu sortieren, kann ein tolles Spiel sein, und bildet die Grundlage für die Entwicklung mathematischer und wissenschaftlicher Fähigkeiten. Wann immer es Ihnen möglich ist, sollten Sie Ihrem Kind vorzählen. Von den Treppenstufen, die Sie hochsteigen, über die Puzzleteile in der Schachtel bis hin zum Zählen der Menschen, die am Tisch sitzen. Je mehr Sie dies verfolgen, desto mehr wird Ihr Kind verstehen, was eine Zahl bedeutet.
P.S.: Widerstehen Sie der Versuchung, einen Stundenplan aufzustellen und etwas aufzuschreiben. Die beste Art, Kindern diese Konzepte beizubringen, ist durch jede Menge Spielspaß und nicht durch spezielle Übungen.
“Von der Entwicklung her hat ein Kleinkind viel mit Höhlenbewohnern gemeinsam, die vor 150 000 Jahren lebten… deshalb nenne ich Zweijährige “Clevere Höhlenkids“. Sie verhalten sich noch immer ein wenig primitiv, aber beginnen nun mehr als jemals zuvor damit, zu denken und koordinierter und organisierter zu werden. Falls Ihr 2 Jahre altes Kind ein Motto haben würde, wäre dies wohl “Schneller, stärker, schlauer“.
—Harvey Karp, M.D., Das fröhliche Kleinkind im Fokus (The Happiest Toddler on the Block)
“Indem Sie mit Ihrem Kind spielen, können Sie ihm wichtige Fähigkeiten vermitteln – und zwar nicht nur darüber, wie etwas tatsächlich getan werden kann, sondern auch darüber, abwechselnd an der Reihe zu sein und zu teilen. Es lernt aber oft auch schon etwas, wenn es sich alleine amüsiert und weiß, dass Sie in der Nähe sind, wenn es Sie braucht. Für einen kurzen Zeitraum alleine zu spielen, gibt Ihrem Kind das Gefühl, dass es seine Umgebung kontrollieren kann und stärkt so das Selbstvertrauen.“
—Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde, Tanya Remer Altmann, M.D., F.A.A.P., Die Wunderjahre: Wie Sie Ihrem Baby und Kleinkind dabei helfen, die wichtigsten Meilensteine der Entwicklung erfolgreich zu meistern (The Wonder Years: Helping Your Baby and Young Child Successfully Negotiate the Major Developmental Milestones)
“Was Sie vielleicht als ‘zerstörerisch’ oder ‘schlecht’ ansehen, ist tatsächlich Neugier. Ihr Kind fragt sich ständig: ‚Was passiert, wenn ich… dies werfe / quetsche / reiße oder darauf trete? Wird es kaputtgehen? Kann ich es umwerfen? Was befindet sich im Inneren?’”
—Tracy Hogg, Die Geheimnisse des Babyflüsterers für Kleinkinder (Secrets of the Baby Whisperer for Toddlers)
“Der Schlüssel liegt in einem fröhlichen Übergang von der Kinderkrippe zum Zuhause. Wir geben unserem zweijährigen Sohn eine kleine ‘Aufgabe’ im Haushalt, bei der er Mami und Papi helfen kann (wie z.B. ein paar alte Zeitungen in die Altpapier-Tonne zu werfen). So werden wir alle ruhiger. Er hat dann das Gefühl, wichtig zu sein und es erleichtert ihm den Weg in unseren Alltag. Danach können wir alle gemeinsam spielen.“
—Mandy, Concord, NC (USA)
”Immer nach dem Abendbrot findet bei uns die ‘lustige Tanzzeit’ statt. Wir schließen ein Musikgerät an und denken uns nacheinander lustige Tanzbewegungen aus, die dann alle ausführen müssen. Mein zweijähriges Kind findet es toll, wenn es Mami und Papi herumalbern sieht. Außerdem kann es durch die Bewegungen die letzte Energie loswerden, bevor es nach einem entspannenden Bad und einer Gutenacht-Geschichte ins Bettchen geht.”
—Trisha, San Francisco, CA (USA)
”Wenn ich mit meiner zweijährigen Tochter einkaufen gehe, bitte ich sie, mir zu sagen, was wir brauchen. Dann bitte ich sie, mir dabei zu helfen, im Geschäft diese Dinge zu finden. Es lenkt sie von all den Sachen ab, die ich nicht kaufen möchte und sie wird sich weniger oft beschweren.“
—Paula, Montclair, NJ (USA)