Diese Phase ist gekennzeichnet durch wachsende Selbständigkeit, überströmende Energie und Neugier. Ihr Kind lernt etwas über seine Umwelt und ist aktiv dabei, alles um sich herum zu untersuchen. Wäschekörbe und Küchenschränke – nichts ist vor ihm sicher.
In dieser Entwicklungsstufe gewinnt Ihr Kind Selbstvertrauen und weiß schon genau, was es tun will. Es hat ein konkretes Ziel vor Augen. Auch imitiert es jeden, den es sieht und alles, was Sie tun. Wörter, Handlungen und sogar Arbeiten im Haushalt sind faszinierend und werden zu etwas, das unbedingt ausprobiert und wiederholt werden muss.
In dieser Phase saugt Ihr Kind die Sprache geradezu auf und absorbiert Ihre Wörter nahezu – sogar, wenn Sie die langen Brabbelsätze nicht verstehen können, die es versucht von sich zu geben. Zeit für Mama und Papa, alles, was geschieht, in dem Moment des Geschehens laut zu erklären und zu zeigen, wie manche Dinge funktionieren. Ihre Erläuterungen und Kommentare helfen Ihrem Kind dabei, etwas über Konversation und Kommunikation zu erfahren und die Welt um sich herum besser zu verstehen.
Sie haben vielleicht schon von dem “schrecklichen 2. Jahr” gehört. Tatsächlich beginnt es vor dem 2. Geburtstag Ihres Kindes und wenn Sie verstehen, was passiert, ist es gar nicht mal so schrecklich. Denn in dieser Zeit gibt es eine große, frustierende Lücke zwischen dem, was Ihr Kind tun will und dem, was es tun kann und darf. Es versteht auch nicht, was eine mögliche Gefahr darstellt und kennt den Wert Ihrer Lieblingsvase nicht. Also wenn Hindernisse da sind, wird es seinen Unmut mit dem Einzigen kundtun, was es kennt – mit einem Wutanfall.
P.S.: Da Ihr Zuhause der Trainingsraum Ihres Kindes ist, besteht die Herausforderung darin, Orte zu finden, die kein permanentes “Nein” erfordern. Versuchen Sie, einen Spielbereich herzurichten, der keine zerbrechlichen Gegenstände enthält. Legen Sie einen Teppich oder eine Matte hinein und lassen Sie Ihr Kind den Weg bestimmen.
Ihr Kind bewegt sich sprachlich über die Wörter “Mama” und “Papa” hinaus, lernt zu sprechen und zu verstehen. Wenn Sie ein Körperteil benennen, kann es darauf zeigen und einfache Anweisungen, wie z.B. “Gib Mami den Ball”, befolgen. Bitten Sie es darum, Ihnen ein Spielzeug zu geben, das außerhalb Ihrer Reichweite ist und lassen Sie sich so von ihm zeigen, wie viel es schon versteht. Gleichzeitig wird seine Selbständigkeit gefördert. In dieser Phase wird Ihr Kind vielleicht auf einen Gegenstand zeigen in der Hoffnung, dass Sie ihm sagen, wie er heißt.
P.S.: Studien zeigen, dass der Bereich, der als normale Sprachentwicklung bezeichnet wird, eine große Spanne aufweist. Außerdem heißt es nicht, dass ein Kind, das besonders früh spricht, auch später in der Schule besondere Erfolge zeigt.
Ihr Kind kann zu diesem Zeitpunkt vielleicht erst ein paar Worte und einfache Sätze sagen. Das ist absolut okay. Denken Sie daran, dass es weit mehr versteht, als es sagen kann.
Nun ist für Ihren Schatz die Zeit gekommen, Dinge zu differenzieren und zu unterscheiden. Es gibt graue und weiße Katzen und, obwohl sie verschieden aussehen, sind doch beides Katzen. Wenn Ihr Kind Bauklötzchen aufeinanderstapelt, lernt es, dass die Reihenfolge ihm dabei helfen kann, den Turm erfolgreich zu bauen und dass ein Klötzchen größer oder kleiner sein kann als ein anderes. Während es bereits einfache Anweisungen befolgen kann, ist es noch Meilen entfernt vom logischen Denken. Ihm zu erklären, warum es etwas tun kann (oder auch nicht), ist zwar wichtig, doch denken Sie daran, dass zu dieser Zeit sein logisches Denkvermögen aus Schwarz und Weiß besteht.
P.S.:
Die Finger Ihres Kindes werden nun immer geschickter. Es wird fasziniert kleine Gegenstände aufheben und erforschen, wie diese kombiniert und verändert werden können. Es kann einen Wachsmalstift halten und spontan loskritzeln, ein Puzzle leichter zusammensetzen und einen Turm aus 4 Bauklötzchen oder mehr bilden (und dann mit viel Freude umwerfen). Schachteln und Dosen mit Deckeln zu versehen und diese wieder zu entfernen oder Stifte in Löcher zu stecken, sind andere Aktivitäten, die die Entwicklung der Hände begünstigen und zusätzlich das räumliche Wahrnehmungsvermögen (“in,” “auf” oder “unter”) fördern. In diesem Alter macht auch das Herummatschen besonders viel Spaß: die kleinen Finger mit Teig zu bekleckern, wenn es mit Ihnen backt oder im Sandkasten matschige Kuchen aus Erdklumpen zu formen, ist etwas, das Ihr Kind jetzt besonders genießt. Außerdem stärkt ein solches ”Herumgematsche” die Fingermuskulatur und ist somit hilfreich, um später selbst die Jacke zuzuknöpfen oder einen Füller halten zu können.
P.S.: Denken Sie nicht, dass Ihr Kind zur Aggressivität neigt, nur weil es gerne Dinge umwirft. Es entdeckt dabei seine Welt. Es wirft z.B. einen Bauklötzchenturm um, um ihn wieder aufzubauen. Diese Handlung muss immer wieder wiederholt werden, bis diese Fertigkeit wirklich sitzt. Natürlich weiß Ihr Kind nicht, dass es wichtige Fähigkeiten trainiert – es hat einfach nur Spaß!
Ihr kleiner Spatz läuft, rennt, klettert und springt – sobald er einmal anfängt, ist er nicht mehr zu stoppen. Er kann nun stehenbleiben, um ein Spielzeug aufzuheben und es im Zimmer herumtragen, er kann einen Spiel-Rasenmäher oder einen Puppenwagen schieben und während des Laufens einen Ball werfen. Treppenstufen hoch- und runterzugehen ist ein neues Abenteuer, selbst, wenn er sich noch zur Sicherheit am Geländer festhält. Auch gehört nun das Springen zu einer neuen Lieblingsbeschäftigung – die Couch, das Bett – einfach alles, was eine Stütze bietet, wird zum Sprungbrett. Die zusätzliche Stützung des Oberkörpers (z.B. durch Festhalten) hilft Ihrem Kind dabei, dass seine Füßchen mutig den Boden verlassen. Also wenn Sie nicht möchten, dass Ihre Couch oder Ihr Bett zum Trampolin wird, zeigen Sie ihm einen ähnlichen Ort, an dem es sicher hüpfen kann.
P.S.: Jetzt ist die Zeit gekommen, um Ihr Zuhause gründlich kleinkindsicher zu machen. Ihr Kind ist sich nun immer mehr bewusst, was andere Kinder tun, und möchte sie nachahmen. Falls es Sie nervös macht, Ihren Schatz rennen und klettern zu sehen, holen Sie einmal tief Luft und vertrauen darauf, dass jedes Kleinkind einmal umfällt und sich wieder aufrichtet.
Jetzt beginnt Ihr Kind, seine Fantasie einzusetzen und Rollenspiele zu spielen. Es lernt, dass Spielzeuge Dinge darstellen können. Vielleicht entdecken Sie es ja dabei, wie es ein Spielzeugtelefon aufhebt und hineinspricht. Nun ist es auch soweit, dass es so tun kann, als ob ein bestimmter Gegenstand etwas anderes sei – ein Durchbruch und weiterer Meilenstein in seiner Entwicklung. Durch fantasievolle Rollenspiele lernt Ihr Kind, seine Umwelt zu verstehen und entfacht gleichzeitig einen neuen Funken für die Sprachentwicklung.
P.S.: Ermutigen Sie Ihr Kind dazu, Dinge im Spiel fantasievoll umzuwandeln und spielen Sie ruhig mit. Machen Sie sich darauf gefasst, aus einer Puppenflasche zu “trinken” und mit Bauklötzchen zu tun, als würden Sie Kekse “essen“.
“Die Imitation (Nachahmung) bildet einen großen Teil des Lernprozesses in diesem Alter. Statt Haushaltsgegenstände einfach nur zu bedienen, wird Ihr Kind sich tatsächlich mit einem Kamm die Haare kämmen, in das Telefon plappern, das Steuerrad seines Spielzeugautos drehen und es vor- und zurückfahren… Tja, vor seinem zweiten Geburtstag wird sich Ihr Kind beim Versteckenspielen selbst übertreffen und sich daran erinnern, wo sich versteckte Gegenstände befinden, auch wenn sie längere Zeit aus seinem Blickfeld verschwunden sind. Sobald es das Versteckspiel gemeistert hat, wird es eine Trennung von Ihnen immer besser verstehen können. So, wie es lernt, dass ein versteckter Gegenstand noch immer irgendwo ist, auch, wenn es diesen nicht sehen kann, wird es nun begreifen, dass Sie immer wieder zurückkommen - selbst wenn es Sie den ganzen Tag nicht gesehen hat.“br> — Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde, Steven P. Shelov, M.D., M.S., F.A.A.P., Sich um ein Baby und Kleinkind kümmern (Caring For Your Baby and Young Child)
“Spielen ist ein wichtiger Teil des Heranwachsens. Beim freien Spiel befriedigt ein Kind seine Neugier und findet heraus, wie es Gegenstände verwenden kann. Es lernt, zu überlegen und zu unterteilen und beginnt einzuschätzen, vorauszuahnen, etwas in Frage zu stellen, zu entdecken, Schlussfolgerungen zu ziehen und Probleme zu lösen. Es lernt außerdem, mit Gleichaltrigen zu interagieren und die Menschen um sich herum zu imitieren. Ein Kind, dessen Spiel nicht von Erwachsenen kontrolliert oder gelenkt wird, gewinnt durch das Spielen Selbstvertrauen und hat selten Versagensängste."
—Robin Goldstein, Ph.D., Die Eltern-Bibel: Die Antwort auf die häufigsten Fragen von Eltern (The Parenting Bible: The Answer to Parents’ Most Common Questions)
“Für kleine Kinder gibt es keinen Unterschied zwischen Spielen und Lernen; zwischen dem, was sie “nur so zum Spaß” tun und dem, was “lehrreich“ ist. Spielzeuge und andere Spielsachen machen Spaß… sie sind aber auch Hilfsmitteln, um etwas über die Welt zu erfahren und sich Erwachsenen-Fähigkeiten anzueignen.“
—Penelope Leach, Ihr Baby und Kind: Von Geburt bis zum Alter von 5 Jahren (Your Baby and Child: From Birth to Age Five)
“Mein 23 Monate alter Sohn “zählt” gerne. Er verwechselt zwar die 5 mit der 6, aber kann sonst wirklich gut zählen. Also wenn es Zeit ist, das Spielzeug wegzuräumen, zählt er sie stolz, wenn er sie beiseitelegt. Er würde auch die Heidelbeeren zählen, wenn er sie in den Mund steckt – ein toller Anreiz für einen gesunden Imbiss.“
—Amy
”Die Augen unseres Sohnes leuchten, wenn er mit Spielzeug spielt, das Geräusche, Musik oder Lichter erzeugt – einfach bei allem, das vorhersehbar reagiert. Er ist sichtlich stolz darauf, dass er diesen Effekt erzielen konnte.“
—Mina
”Wenn mein Sohn Spaß haben möchte, finde ich es eine gute Idee, ihn mit ein paar geschlossenen Dosen, Töpfen und Pfannen und einem Holzlöffel auf den Boden zu setzen, um so die überschüssige Energie einfach rauszutrommeln!“
—Amanda
”Meine zweijährige Tochter liebt es, zu malen, Seifenblasen zu pusten und zu laufen – und zwar oft. Sie spielt auch gerne Fantasiespiele in ihrem Puppenhaus und möchte ihre große Schwester (6 Jahre) nachahmen. Sie glaubt, sie selbst sei älter als 2.“
—Alice